Therapielexikon – die wichtigsten Begriffe von A-Z
Ausrüstung
Die Ausrüstung eines Reiters und seines Pferdes richtet sich immer nach dem Einsatzzweck. Im Therapeutischen Reiten sollte jeder, der reiten möchte lange Hosen tragen, um Scheuerstellen zu vermeiden. Helm und festes Schuhwerk sind aus Sicherheitsgründen Pflicht. Im Sommer sollte nicht nur der Reiter sondern auch das Pferd mit einem Mittel eingesprüht werden, dass Bremsen und Stechmücken vertreibt. Im Winter sollte auf bequeme aber warme Kleidung geachtet werden.
Die Ausrüstung des Pferdes richtet sich nach den Fähigkeiten des Therapiekindes. So wir entweder mit Pad und Voltigiergurt oder mit Sattel geritten. Bei schwereren Behinderungen gibt es zusätzliche Hilfsmittel, die das Reiten vereinfachen.
Betreuer
Betreuer oder Therapiehelfer sind im Therapeutischen Reiten sehr wichtig. Dadurch, dass sie das Pferd führen, kann sich die Therapeutin/der Therapeut völlig auf seinen Reiter konzentrieren. Der Sicherheitsaspekt ist somit gewahrt.
Charakter des Therapiepferdes
Der Charakter eines Therapiepferdes spielt für den Therapieerfolg eine große Rolle. Nicht jedes Pferd ist für Therapiezwecke geeignet. Ein Pferd, das in der Therapie eingesetzt wird, sollte dem Menschen gegenüber aufgeschlossen sein, ihn als ranghöhere Wesen akzeptieren, ihm vertrauen und somit zuverlässig und gelassen sin.
Drei verschiedene Therapieformen
Der Begriff „Therapeutisches Reiten“ lässt sich in drei Unterbereiche gliedern:
Ethische Grundsätze im Umgang mit dem Pferd
(Quelle: ReitTherapieZentrum Larrieden (Hrsg.): Arbeitsblätter zur Ausbildung von Fachkräften und Betreuern/Helfern im Therapeutischen Reiten. Thema: Tier-, Natur- und Umweltschutz. Die ethischen Grundsätze, S. 2, 2005)
Finanzielle Fragen
Eine Reittherapiestunde kostet durchschnittlich zwischen 36 und 70 Euro. Die Preise sind von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Der Kostenaufwand für Ausbildung, Anschaffung von Therapiematerialien, Versicherungen und Unterhalt des Pferdes sind für die Reittherapeuten oft erheblich. Es gibt für Eltern jedoch die Möglichkeit der Kostenübernahme. Sozialamt (im Rahmen der Wiedereingliederungshilfe) und
Jugendamt (Hilfe zur Erziehung) zahlen die Therapie in machen Fällen. Beim Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren handelt es sich beispielsweise um Hilfe zu einer angemessenen Schulbildung nach §54 Abs.1 Nr. 1 SGB XII, die in Einzelfällen (§75 Abs.4 SGB XII ) bewilligt werden kann.
Gangarten des Pferdes
Ein Pferd verfügt über drei Grundgangarten, die in sich verstärkt werden können. Gemeint sind Schritt, Trab und Galopp. In der Ergo- und Physiotherapie wird nur im Schritt gearbeitet. Im HPR/HPV sowie im Reitsport für Behinderte kommen je nach Möglichkeit der Reiter alle Gangarten zum Einsatz.
Hilfsmittel für die Therapie
Hilfsmittel werden im therapeutischen Reiten eingesetzt um bestimmte Behinderungen auszugleichen. Gemeint sind beispielsweise Bügelspoiler, die am Steigbügel befestigt werden um das Durchrutschen des Fußes zu verhindern, Einsatz von Lammfell für einen bequemeren Sitz auf dem Pferderücken oder Aufsitzhilfen, die das Aufsteigen auf das Pferd vereinfachen.
Indikationen
Unter Indikationen werden Diagnosen verstanden, die therapeutisches Reiten als Heilverfahren als sinnvoll erachten. Gemeint sind beispielsweise motorische Auffälligkeiten, ADS/ADHS, Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten usw.
Juristischer Hintergrund
Ein(e) Reittherapeut/in muss immer gut versichert sein. Die Pferdehaftpflichtversicherung reicht für die Ausübung des therapeutischen Reitens allerdings nicht aus. Therapiepferd und Therapeut müssen extra mit speziellen Versicherungen ausgestattet sein, ansonsten kann es im Schadensfall schnell sehr unangenehm werden.
Kontraindikationen
Unter Kontraindikationen werden Diagnosen verstanden, die das therapeutische Reiten als Heilverfahren ausschließen. Mit einer Pferdehaarallergie, mit Bluterkrankheit oder akuten entzündlichen Erkrankungen beispielsweise sollte nicht geritten werden.
Longieren
Das Ablongieren des Pferdes vor der Therapieeinheit ist für jeden Therapiebereich wichtig. Somit ist gewährleistet, dass Reittherapeut/in und Betreuer die Tagesform des Pferdes einschätzen können. Das Ablongieren gibt dem Pferd die Möglichkeit sich auszutoben bevor es in der Therapie ruhig und verlässlich gegen muss. Zudem dient das Longieren dazu, die Muskeln des Pferdes zu lockern.
Materialien
Im Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren sowie in der Ergo- und Physiotherapie können unterschiedliche Materialien eingesetzt werden: Bälle (Greifbälle, Igelbälle, Squeeze Bälle), Stäbe, Becher gefüllt mit unterschiedlichem Inhalt, Therabänder, Tücher, Bildkarten usw. Im Umgang mit den Materialien ist es wichtig, dass das Pferd an sie gewöhnt ist und nicht schreckhaft auf sie reagiert, denn es muss immer damit gerechnet werden, dass der Reiter einen Gegenstand verliert.
Nichts überstürzen!
Mit dem therapeutischen Reiten wurden schon bei vielen Menschen gute Erfolge erzielt. Wichtig ist es jedoch, dass nichts überstürzt wird. Im Umgang mit dem Pferd prasseln anfangs sehr viele neue Eindrücke auf den Klienten ein. Im therapeutischen Reiten können nur Erfolge erzielt werden, wenn eine Vertrauensbasis zwischen Pferd, Reiter und Therapeuten entstanden ist. Diese Vertrauensbasis muss wachsen und braucht Zeit sich entfalten zu können. Mut und Selbstvertrauen kommen dann wie von selbst.
Organisation
Eine effektive Reittherapiestunde muss gut organisiert sein. Der Therapeut/die Therapeutin sollte sich im Vorfeld mit der Lebensgeschichte des Klienten beschäftigt haben und ein individuelles Therapieprogramm erarbeiten. Regelmäßige Gespräche mit den Eltern und das Reflektieren im Team sind unabdingbar.
Pferd als Partner
Im therapeutischen Reiten spielt das Pferd eine sehr wichtige Rolle. Es fungiert als Partner und stärkt seine Klienten. Gemeinsam mit dem Pferd und der Motivation des Therapeuten kann viel erreicht werden.
Qualitätszeit
Therapeutisches reiten kann als Qualitätszeit bezeichnet werden. Dies trifft vor allem auf den Bereich HPR/HPV zu. In diesem Bereich wird darauf geachtet, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Zeit auf dem Hof effektiv für sich zu nutzen, Alltagssorgen vergessen und mit allen Sinnen intensiv wahrnehmen um ihre eigen Kräfte zu mobilisieren, die es ihnen ermöglichen in unterschiedlichen Lebensbereichen Fortschritte zu machen.
Reittherapeut/in
Der Berufsbegriff „Reittherapeut/in“ ist in Deutschland noch nicht geschützt. Jeder der ein Pferd zur Verfügung hat, kann somit im Bereich der Reittherapie arbeiten. Um effektiv arbeiten zu können, sollte jedoch unbedingt eine Ausbildung absolviert werden. Möglichkeiten dazu gibt es beispielsweise im Reittherapiezentrum Larrieden, beim Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten oder beim Lehrinstitut Igogo.
Sicherheit
Sicherheit steht im therapeutischen Reiten an oberster Stelle. Der Reittherapeut/die Reittherapeutin ist dafür verantwortlich, dass Pferd und Reiter richtig ausgerüstet sind. Zudem hat er/sie dafür Sorge zu tragen, dass bestimmte Utensilien wie Verbandszeug, Handy, Wasser usw. für den Notfall immer in Reichweite sind. Er/sie ist zusammen mit dem Helfer außerdem dafür verantwortlich, dass das Pferd sich während der Therapie entsprechend verhält.
Training des Therapiepferdes
Ein Therapiepferd muss konsequent ausgebildet werden. Es muss den Menschen als ranghöheres Wesen akzeptieren und sehr gehorsam und lernwillig sein. Zur Ausbildung eines Therapiepferdes gehört die regelmäßige Korrektur von Boden und Pferderücken aus. Um sich auf sein Pferd verlassen zu können, muss ein Reittherapeut viel Zeit in ein kontinuierliches Training des Pferdes investieren.
Unterrichtsinhalte
Freude, Spaß und Freiwilligkeit sind Schlagwörter, die für den Therapieerfolg von großer Bedeutung sind. Nur wenn die Kinder und Jugendlichen freiwillig zum Reiten kommen und Spaß am Umgang mit Tieren haben, ist das therapeutische Reiten als Therapieform geeignet. Die Unterrichtsinhalte sind in jeder Therapieform anders. Im Reitsport für Behinderte wird Reitunterricht erteilt. Die Reitschüler reiten selbständig in der Abteilung oder an der Longe und lernen den eigenverantwortlichen Umgang mit dem Pferd. In der Ergo- bzw. Physiotherapie auf dem Pferd werden krankengymnastische Übungen eingesetzt, die bestimmte körperliche Funktionen erhalten, stärken oder wiederherstellen sollen. Im HPR/HPV steht der spielerische Umgang mit dem Pferd im Vordergrund. Zu den Unterrichtsinhalten zählen sowohl gymnastische Übungen zum Muskelaufbau, als auch Spiele mit und auf dem Pferd (z.B. Durchqueren von Hindernissen etc.)
Vielfalt
Vor allem im HPR/HPV kann sehr vielfältig gearbeitet werden. Die Kinder sitzen während ihrer Therapiestunde nicht nur auf dem Pferd. Sie verbringen Zeit mit Putzen, Schmusen, Führen, sie lernen einiges über das Leben der Pferde und über die Umgebung in der sie gehalten werden. Vielfältige sinnliche Erfahrungen werden so möglich.
Wirkungsweise des Pferderückens
Das Sitzen auf dem Pferderücken baut Muskeln auf. Die dreidimensionalen Schwingungen die auf den menschlichen Körper übertragen werden, die freie Bewegung im Raum und die zeitliche Dichte der Stimulation beanspruchen auf sanfte Art und Weise Muskelpartien, die bei vielen Kindern schon im Vorschulalter zu verkümmern drohen. Durch die Kombination „Bewegung des Pferderücken + gezielten Übungen zur Regulation der Muskulatur“ wird zudem das Gleichgewicht geschult. Viele Reiter berichten auch von einer wohltuenden Wärme, die vom Rücken des Pferdes ausgeht.
X-treme vermeiden
Im therapeutischen Reiten geht es nicht darum, das Reiten zu lernen. Die Klienten sollen vielmehr auf die Impulse des Pferdes reagieren. Ruhe in der Arbeit und das Akzeptieren von sehr kleinen Fortschritten ist sehr wichtig. Wer im therapeutischen Reiten schnell zu viel verlangt, wird keine Erfolge erzielen. Wichtig ist außerdem ein überdachtes Konzept. Nicht jedes Pferd, nicht jeder Stall, nicht jedes Wetter usw. eignen sich für erfolgreiche Therapiestunden.
Youngster
Der Begriff „Youngster“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „junger Sportler“. Im therapeutischen Reiten spielt das Alter nur eine untergeordnete Rolle. Auch Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsverzögerungen können in diesem Bereich ihre wahren Fähigkeiten entdecken und auf ihre eigene Weise zum wahren „jungen Sportler“ werden.
Ziele
Die Zielsetzungen unterscheiden sich von Reittherapieform zu Reittherapieform.
Im Reitsport für Behinderte geht es beispielsweise darum, die Leistungsfähigkeit der verbleibenden Funktionen zu erhalten oder das Selbstwertgefühl zu stärken, in der Ergo- und Physiotherapie auf dem Pferd werden beispielsweise sensorische Integrations- oder cerebrale Bewegungsstörungen behandelt. Im heilpädagogischen Reiten und Voltigieren sollen Verhaltensauffälligkeiten und motorische Mängel ausgeglichen werden.
Die Diplom-Pädagogin Danika Hahn ist ausgebildete Reit-therapeutin und betreibt seit 2005 die Schule Reiten-Kann-helfen auf dem Elisesenhof in Eckartsweiler im Welzheimer Wald...

Das Pferd gilt als einer der treusten Begleiter des Menschen und war seiner Zeit wohl dertatkräftigster Helfer wenn es um Ackerbau und Reisen ging...
Das Forum von Reiten- kann-helfen beschäftigt sich mit allgemeinen und spezifischen Fragen des therapeutischen Reitens, mit Berichten über Erfahrungen und Meinungsaustausch. Im Reittherapie-Forum finden all diejenigen eine Plattform, die sich mit dem Thema Reit- Therapie beschäftigen.